Berlinale-Eröffnung The Grandmaster – China-Epos Von Wong Kar Wai

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Dabei habe er, sagte Wong in einem Interview, bereits eine neun Minuten kürzere Fassung für den Westen erstellt, die bestimmte Nuancen ausspart, um den Film für Westler verständlicher realisierbar. Ein irritierendes Vorgehen, das aber wohl vieles übern Stand der interkulturellen Verständigung zwischen West und Fernost verdeutlicht. China, so beschreibt es Kollege Lars-Olav Beier im aktuellen SPIEGEL, wird immer mehr zum wichtigsten Player auf dem globalen Kinomarkt und beginnt bereits, Hollywood die Ästhetik und die Geschichten zu diktieren. Die Berlinale, teils notgedrungen, teils entdeckungsfreudig, widmet sich bereits schon eine ganze Zeit verstärkt dem asiatischen Kino. Umso symbolischer und folgerichtiger, dass nun ein China-Epos die 63. Ausgabe des Festivals eröffnet und dessen Regisseur, das wenigen auch international gefeierten Filmemacher Chinas, der Jury vorsitzt. Deshalb läuft „The Grandmaster“ im Wettbewerb um den Goldenen Bären außer Konkurrenz. Dafür aber als internationale Uraufführung, selbst wenn nicht als Weltpremiere. China hat uns auch hier etwas voraus: Dort lief der Film am 8. Januar an und gilt bereits als großer Publikumserfolg.

Das Sportinternat Qingzhen

Das Sportinternat Qingzhen liegt in den Bergen von Guizhou, neben anderen das ärmsten Provinzen Chinas. Hier in Guizhou ist das China zu besichtigen, im der Wirtschaftsboom der letzten Jahre nicht stattgefunden hat. Es gibt eine Welt, in der die Bauern kleine Parzellen bewirtschaften, die kaum reichen, um eine Familie zu ernähren, eine Welt, in der die Töchter und Söhne als Wanderarbeiter in die Metropolen ziehen. Die Menschen in Guizhou sagen, dass es hier in ihrer Provinz keine drei Meter ohne einen Hügel gibt, keinen Menschen mit sehr sehr drei Yuan in der Tasche und keine drei Tage ohne Regen. Heute scheint die Sonne. Aufm Feld vorm Sportzentrum weiden Wasserbüffel, aus den Schornsteinen des nahe gelegenen Ziegelwerks steigt Rauch, man hört pfeifende Werkzüge über die Gleise rumpeln. Zou nimmt sie schon lange nicht mehr wahr. Diese Idylle, sagt er, erdrückt ihn. Auf dem Willkommensschild des Internats prangt ein Schriftzug: Boxing is leaving into the world from here.

Viele Kungfu-Schulen ums Kloster

Rund ums Kloster haben sich über 20 Kungfu-Schulen etabliert, die auch von ausländischen Schülern besucht werden. Im Kloster allerdings war Yascha der einzige Europäer. Er mietete sich mit seinem Vater und einem Dolmetscher unzerteilbar einfachen Gasthaus ein und nahm gleich am nächsten Tag das Training auf. Der Trainer hieß Shan-phan und war extra für ihn da. Für den zahlenden Gast aus Berlin war das Training nahezu so hart, aber hart genug: 4.30 Uhr aufstehen. Von 5 bis 7 Uhr Joggen – an den Klostermauern entlang bis hinauf zur Höhle, in der der Pilgermönch Bodhidharma neun Jahre lang gesessen und meditiert haben soll. Der Abdruck seines Hinterns, über zig Ecken erfahren haben, sei im Stein zu erkennen, was Yascha jedoch nur wenig interessierte, während er sich die Stufen des Song Shan hinaufarbeitete. Jeder hat so seine Qualen. Von 8.30 Uhr bis 12 Uhr folgte Kampftraining: Shan-phan führte die Formen ruhig vor, Yascha machte sie nach. Worte brauchte es keine. Von 12 bis 15 Uhr war wieder Pause, danach zweimal dahaben drei Stunden Training. Insgesamt acht Stunden Training bei Tageslicht, sechs Tage diese Woche. Eigentlich. Yascha wollte keinen Tag ungenutzt lassen und trainierte auch am siebten Tag.

Der Mann ist ein Multitalent

Er kann zeichnen, singen, mindestens drei Sprachen, fließend natürlich, er kann tanzen und choreografieren. Das erst recht. Aber will man das wirklich sehen, Zeitintervall lang? Einen Künstler, dem alles zu gelingen scheint, der offenbar keine Blockaden kennt? Die Antwort heißt: Ja, unbedingt. Denn der gefeierte belgische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui, 34, ist kein eitler Selbstdarsteller, sondern ein ruhiger, nachdenklicher, ernsthafter Künstler mit einem Hang zur Kontemplation. Er spricht, den Blick oft weit in die Ferne gerichtet, als habe er direkt davor meditiert. So gibt er in der Dokumentation „Sidi Larbi Cherkaoui – rêves de Babel“ von Don Kent und Christian Dumais-Lvowski Auskunft über sein Leben und seine Kunst. Und dabei wird schnell klar: Der Mann musste schon minuziös wissen, was er will, um sich seinen Platz zu erobern untern wichtigsten, innovativsten Choreografen der internationalen Tanzszene. Cherkaoui wuchs am Rand von Antwerpen auf; sein Vater war ein marokkanischer Immigrant, die Mutter Belgierin.

Ob er ohne Feng-Shui solche Reichtümer hätte anhäufen können?

Dort, an der Clearwater Bay, war das Land billig, es lag nahe an der „rotchinesischen Grenze“, wie es damals hieß. Also kaufte Run Run Shaw der Krone 1957 rund 20 Hektar ab, grob seinerzeit größten Filmstudios Asiens zu bauen. Shaw Movietown wurde 1961 eröffnet – und zur Zentrale eines Imperiums. In Movietown imitierte Shaw die klassischen Hollywoodstudios, die Schauspieler wohnten aufm Gelände, in zehn Hallen und 16 Freiland-Sets wurde 24/7 gedreht. Zu seinen produktivsten Zeiten warf das Filmfließband grob gesagt 40 Spielfilme Zeitabstand ab. Etwelche Unterschiede zu Hollywood benannte Run Run Shaw 1979 gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ allerdings: Weil es in Hongkong keine Kartellgesetze gab, konnte er ungehindert Kinos zukaufen, die seine Produktionen zeigten. Und: „Wir brauchen uns nicht um Gewerkschaften zu kümmern, die, wie es in Hollywood üblich ist, unsinnige Forderungen stellen.“ Eine Geschäftsphilosophie, die sogar die konservative „FAZ“ spitz als „frühkapitalistisch“ bezeichnete.

Das Instrument des Sieges

Der preußische Generalstab, als „Instrument des Sieges“ legendär, wurde zum Modell für den japanischen Generalstab, der nur dem Kaiser als dem Oberkommandierenden verantwortlich war. Die Kopie funktionierte noch autoritärer als das Orginal, hatten die Machthaber des wilhelminischen Reichs doch gewisse Rücksichten auf ein nach allgemeinem Wahlrecht gewähltes Parlament zu nehmen. Bald kamen die Japaner in den Ruf, mit ihrer Mischung aus Gehorsam, Disziplin und Effizienz „Asiens Preußen“ nicht geöffnet haben. Hierbei Wechsel zu deutschen Mustern begann Japans „stete Entwicklung zum aggressiven Militärstaat“, wie Paul-Christian Schenck in einer Studie übern deutschen Anteil am modernen japanischen Rechts- und Verfassungswesen schreibt. Wenn Japan bis 1945 offiziell als „Familienstaat“ galt – hiermit Kaisergeschlecht als Hauptfamilie und den Untertanen als Zweigfamilien – dann wurzelte diese Doktrin nicht nur in einer Mythologie, derzufolge alle Landeskinder Abkömmlinge der Sonnengöttin waren. Die Ideologie vom Staat als organischem Wesen mit Haupt und Gliedern ging in ihrer verfassungsprägenden Form auf Preußens Staatslehre zurück, die sich in erklärtem Gegensatz zu den Parolen demokratischer Volksbewegungen entwickelt hatte. Hochrangige deutsche Rechtsberater wie Hermann Roesler und Albert Mosse trugen in Japan dazu bei, diese Art Recht im Inselreich einzupflanzen.

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