Rechtsextremer Kampfsportler – Der Neonazi-Krieger Aus Moskau

Moskau Kämpfer

In Ostritz habe der „Kampf der Nibelungen“ vor etwa 600 Zuschauern stattgefunden. Fünf Jahre zuvor, so Claus, seien es weniger als 150 gewesen. Mit seiner Marke White Rex schuf Nikitin, der fließend Deutsch spricht, im Laufe der Jahre einen eigenen Kosmos, eine Art rechter Erlebniswelt. Kleidung, Turniere, Sportnahrung, Fitnessstudios – der Neonazi will auf mehreren feldern aktiv, Wehrhaftigkeit und Gesundheit seiner Zielgruppe fördern. Nikitin Anfang 2017 unzerteilbar Interview, das auf einer ukrainischen Website zu lesen war. Frei, brutal, stramm national: So präsentiert sich Denis Nikitin gern in der Szene. Recherchen des SPIEGEL offenbaren aber erhebliche Widersprüche in seiner Biografie. Und sie liefern Hinweise auf mutmaßlich kriminelle Geschäfte Nikitins in der Ukraine, die seine Gefährlichkeit auch jenseits von Ring und Straßenprügelei unterstreichen. Eine Wohnblocksiedlung im Kölner Stadtteil Chorweiler. Zu ebener Erde eines grauen Mehrparteienhauses ist der Neonazi amtlich gemeldet. Seine Jugend verbrachte der in Moskau geborene Nikitin hier. Erste Gewalterfahrungen sammelte er Mitte der 2000er-Jahre in der Hooliganszene des 1. FC Köln. In Moskau entwickelte Nikitin sich später zur echten Größe der noch weitaus brutaleren dortigen Hooliganszene.

MMA – die Käfigkämpfe

Dass er dabei auch seine eigenen Kinder in Käfigkämpfen antreten lässt, brachte ihm daneben Kritik der russischen MMA-Legende Fedor Emelianenko ein, was Kadyrow allerdings nicht anficht. 2013 musste Sportminister Salambek Ismailow im Boxring zum Sparring mit dem Machthaber antreten, weil Ismailow beim Umbau seines Ministeriums geschlampt hatte. Ein Jahr später ließ sich Kadyrow die Ausrichtung der Schwergewichts-WM zwischen Ruslan Tschagajew und Fres Oquendo einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Zu Gast waren Stars wie Evander Holyfield, David Haye und Ringsprecherlegende Michael Buffer. Auch die größten Namen im Boxsport haben keine Skrupel, für Fotos mit Kadyrow zu posieren. Mike Tyson war schon zu besuch in Grosny, ebenso die Klitschkos, kürzlich auch der bestverdienende Sportler der Welt, Floyd Mayweather Jr. Woher kommt das Geld? Doch warum posieren Sportstars trotz der bekannten Vorwürfe gegen das Regime mit Kadyrow? Die einfache Antwort: Sie lassen sich ihre Auftritte in Grosny gut bezahlen. Auch die ägyptische Nationalmannschaft wird die Stadt im Nordkaukasus nicht aus geografischen Gründen als Ausgangspunkt für ihr WM-Abenteuer gewählt haben – immerhin nehmen die Ägypter mit 12.000 Flugkilometern allein während der Vorrunde die größten Reisestrapazen aller teilnehmenden Nationen auf sich. Wie finanziert Kadyrow seine kostspielige Leidenschaft für den Sport? Und wie hat er Grosny aus einer vom Bürgerkrieg verwüsteten Ruinenstadt in der modernsten Metropolen Russlands verwandelt? Angeblich soll das Geld aus Moskau kommen, Kadyrow gilt als loyaler Weggefährte Wladimir Putins. Im Gegenzug sorgt Kadyrow in Tschetschenien für Ruhe. Im Nordkaukasus kursiert angeblich der folgende Witz: Ramsan Kadyrow und Putin geben eine gemeinsame Pressekonferenz.

Das Sonnenkind

Niemals hätten sie sich eine Vorstellung entwickeln von, dass der Wolfgang so eine Tat begehen würde, sagen alle beide Trainer, die ihn vertreten. P. hatte die Räume gemeinsam mit einem anderen Trainer gemietet, alle beide hatten sich zusammengetan, um Fixkosten zu sparen. N., der Mitmieter, erzählt, er habe P. als „Sonnenkind“ erlebt, er sei eher „Hippie mit Blumenkranz im Haar als ein gewaltbereiter Reichsbürger“ gewesen. Nur einmal, im vergangenen Jahr, habe P. ihm erzählt, dass er einen Gerichtsvollzieher von seinem Grundstück verwiesen habe, weil der ihm keine gültige Rechtsgrundlage für sein Ansinnen präsentiert habe. Offenbar geriet P. parallel zu seinem Politwahn in finanzielle Not. Unter seinem Namen finden sich im Internet Einträge für eine „Vermögensberatung“, doch an den angegebenen Adressen, darunter ein heruntergekommenes Mehrfamilienhaus in Georgensgmünd, gibt es weder Briefkasten noch Firmenschild. Am Donnerstag erließ das Amtsgericht Nürnberg Haftbefehl wegen Mordes, mehrfachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Wolfgang P. wollte sich nicht zu den Tatvorwürfen äußern. Aus Trauer um den erschossenen Kollegen werden Polizisten in Bayern Trauerflor tragen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière nannte die zunehmenden Angriffe von Extremisten auf Polizisten in Deutschland „unerträglich und inakzeptabel“. Der bayerische Verfassungsschutz hatte wenige Monate vor der Bluttat gewarnt, dass eine sogenannte Exilregierung, eine Gruppe aus dem Reichsbürger-Spektrum, in Bayern gezielt um neue Anhänger werbe.

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